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  DVD-Review Miles Davis - Miles Electric: A Different Kind Of Blue
Review

DVD-Review ::: Miles Davis - Miles Electric: A Different Kind Of Blue  
Review

Miles Davis
Miles Electric: A Different Kind Of Blue
Eagle Vision / Edel
Gebräu aus Funk und Rock

4:3, DTS
FSK: ohne Altersbeschränkung
Sprache: Englisch
 
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Im August 1970 fand auf der Isle of Wight das größte Musikfestival aller Zeiten statt: 600.000 hippieske Menschen überfluteten die kleine Insel, um Rock-Größen wie The Who, Jethro Tull oder The Doors zu sehen. Am Samstag, dem vierten Tag, spielte - zwischen Tiny Tim und Ten Years After - ein Musiker, den man kurz zuvor noch sicher nicht mit dieser Veranstaltung in Verbindung gebrachte hätte: Miles Davis. Aber mit dem sanften Jazz-Trompeter, als der er spätestens seit "Kind Of Blue" bekannt war, hatte Miles Davis längst abgeschlossen. Statt feiner schwarzer Anzüge trugen er und seine Mit-Musiker jetzt kanarienvogelbunte Outfits und statt akustischer Instrumente benutzten sie elektrische. Vor allem aber war die Musik nicht wiederzuerkennen: Kein Jazz mehr, sondern ein rhythmisches, scheinbar form- und endloses Gebräu aus Funk und Rock.

Murray Lerner sucht in seiner Dokumentation nach den Auslösern dieser radikalen Weiterentwicklung. Dabei lässt er vor allem die Musiker zu Wort kommen, die dabei waren, unter anderem Herbie Hancock, Keith Jarrett, Chick Corea oder Jack DeJohnette. Begeistert erzählen sie von den musikalischen Visionen und dem mitreißenden Auftreten von Miles Davis, der die prägende Gestalt auch für ihre eigene Entwicklung wurde. In diesen Erzählungen, wie auch in denen von Miles-Davis-Fan Santana, wird deutlich, wie sehr Miles Davis mit seiner Elektrisierung die junge Generation begeistert und beeinflusst hat. Und es lässt sich der Pioniergeist der damaligen Zeit erahnen, als die Musiker die Möglichkeiten der Elektronik für ihre Musik zu nutzen begannen und als sie begannen, sich über Genre-Grenzen hinweg umzuschauen. Miles' Vorbilder zu dieser Zeit waren James Brown, Jimi Hendrix und Sly Stone.

Deutlich wird aber auch, mit welchen Widerständen Miles Davis zu kämpfen hatte und wie kontrovers seine Veränderung besonders unter seinen alten Anhängern aufgenommen wurde. Die Jazz-Kritik, die ihn stets hochgelobt hatte, zerriss nun nicht nur seine Musik, sondern griff ihn auch als arrogant und überheblich an. Der Jazz-Kritiker Stanley Crouche wiederholt in der Dokumentation stellvertretend sein völliges Unverständnis für "Bitches Brew", mit dem sich Miles "an die großen Konzerne" verkauft habe. Und wirklich: Die Elektrisierung war ein kommerzieller Riesenerfolg. Nicht nur, dass "Bitches Brew" das meistverkaufte Jazz-Album aller Zeiten wurde, es erlaubte Miles auch Auftritte wie den auf der Isle Of Wight. Dass die Elektrisierung aber überwiegend finanzielle Gründe hatte, dagegen spricht das Engagement, mit dem Miles seine Band mitriss und die Konsequenz, mit der er sich weiter entwickelte; bis zu seinem Tod 1991 kehrte er nie wieder zum Jazz zurück. In einem Interview aus den späten Achtzigern berichtet er, er habe sich seine alten Platten seit Jahrzehnten nicht mal mehr angehört.

Nach einer Stunde voller Interviews und Archiv-Material räumt Lerner der Musik selbst Platz ein. Der 38-minütige Auftritt von der Isle Of Wight, der aus einem einzigen Jam über Motive aus "Bitches Brew" besteht, ist ungekürzt und ohne Unterbrechung komplett zu sehen. Nach seinem Ende wurde Miles Davis backstage nach dem Titel des Stücks gefragt. Er antwortete: "Call It Anything".
 
Arne David
 

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