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  DVD-Review Marilyn Manson - Guns, God And Goverment World Tour
Review

DVD-Review ::: Marilyn Manson - Guns, God And Goverment World Tour  
Review

Marilyn Manson
Guns, God And Goverment World Tour
Eagle Vision
Rock'n'Roll

Max. 30 Minuten interaktives "Behind The Scenes"-Bildmaterial, Photo Gallery, Discography, Band Bio, Stereo, 5.1 & DTS
FSK: ab 16 Jahren
Sprache: Englisch
 
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Letzte News ::: 03.06.2002


Das Grauen sucht nach Worten. Versatzstücke aus Munsters-Schick, der Mode einer bewussten Hässlichkeit, der Pose eines Iggy Pop, NuMetal, Eurythmics-Coverversion und jede Menge Teenager-Groll verbinden sich auf dieser versatilen Disk zu einem Zusammenschnitt der Welttournee von Marilyn Manson und Band 1999-2001.

In der Tat fällt während der ganzen 107-minütigen Spieldauer keine Stelle auf, die ausdrücklich zu Obszönität, Gewalt oder Drogenkonsum auffordert. Dennoch wird all dies einigermaßen hemmungslos vorgelebt. Da werden Identifikationsmuster geschaffen und die Spannungen verstanden, die da sind, wenn die Tür zum Jugendzimmer genervt zugeschlagen wurde, weil man nicht zum Marilyn-Manson-Konzert durfte. Marilyn weiß die Antwort. Und die heißt "Fuck!" Und zwar "Fuck the teachers who say you are fuckin’ stupid!”

Insgesamt ist die Show - sieht man einmal von der ebenfalls enthaltenen etwas ekelhaften und unnötig glorifizierenden Backstage-Dokumentation ab - ganz niedlich. Alice Cooper und Kiss haben ganz andere Schlachtfeste vollzogen. Doch haben wir es hier ja mit einer DVD zu tun. Schnell wird es in diesem Medium etwas zu explizit. Die Disk ist erst ab 18 freigegeben, in Deutschland ab 16. Warum nur? Befürchtet man, dass der Rattenfänger dem geneigten Zielpublikum via Fetischartikel zu viele Mäuse aus der Tasche ziehen will? Oder weil das faschistoid vorgetragene "Fuck!" zum Schlachtruf einer neuen Null-Bock-Generation werden könnte?

Vergleiche mit einem gewissen Propaganda-Minister hinken im Allgemeinen und das, was Marilyn Manson an Hasspropaganda und Wortsinn so von sich gibt, ist gelinde gesagt albern. Aber die Inszenierung des Spektakels und vor allem seine Selbstinszenierung als absoluter Star ist drastisch und diskutierbar wie etwa das Filmwerk von Leni Riefenstahl. Ein Beispiel: Er bittet einen verzückten Fan auf die Bühne, der sich darüber sichtlich freut, um ihn nach drei Sekunden mit den Worten "Get off MY stage, you pussy!" wieder runterzutreten. An der Macht des Zeremonienmeisters wird nicht gerüttelt. Und er lässt sich das danach mit einem dreimaligen "Fuck!" mit ausgestrecktem rechten Arm vom Publikum legitimieren. "Wollt ihr die totale Show?" scheint da im Raum zu schweben, um es im Nazi-Jargon einmal zusammenzufassen. Als Hitler verkleidet spielt Manson ganz offensichtlich mit solchen Posen, dies allerdings distanzlos und damit für mich ganz einfach geschmacklos.

Nun ist das soziale Modell "Rockkonzert" mit dem einen, der da oben steht und der Masse, die ihm huldigt, an sich nicht problematisch. So funktioniert nun mal dieses Geschäft. Und wenn man live dabei ist, mag man sich zumindest über die Atmosphäre freuen. Aber aus der Distanz betrachtet, als DVD, stimmt es ein bisschen nachdenklich. Gleichwohl scheint das bewährte Erfolgskonzept "Sex, Drugs & Rock'n'Roll" weiterhin einwandfrei zu funktionieren. Marilyn Manson ist eine aktuelle Verkörperung dessen - als Bad Boy und Bürgerschreck, als Held, der sich alles traut und einen nach seinem Abgang ebenso angewidert wie fasziniert hinterlässt. Selbstredend werden diverse Instrumente zertrümmert. Ein gängiges Stilmittel seit The Who. Und natürlich ist das Mikrofon ein Phallussymbol. Wussten wir schon. Manson weiß es auch und schiebt es sich in den Hintern. "Rock is dead" singt er, doch das stimmt nicht, wenn man wie er brisante und relevante Mittel findet, um die Geschichte fortzuschreiben. "The Beautiful People" und "The Dope Show" sind einfach sehr gute neue Rocksongs und von daher ist MM zu Recht ein Star.

Am Ende hat er sich dann völlig verausgabt und muss gar von einem Helfer gestützt werden. Das wirft allerdings die Frage auf, wieviel Inszenierung eine Show vertragen kann. Diese Frage richtet sich weniger an das Live-Event, sondern vielmehr an die Regie der Disc, für die sich Manson persönlich verantwortlich zeichnet. Der Bad Boy ist als Protagonist und Produzent in Personalunion nicht mehr so ohne weiteres glaubwürdig, wie es Jim Morrison oder Mitch Ryder einmal waren, die vor lauter Suff wirklich nicht mehr konnten. Wen und vor allem womit soll man denn noch provozieren? Marilyn Manson scheint sich in der Rolle des Parolenlieferanten für Frustrierte recht wohl zu fühlen und der Erfolg in aller Welt scheint ihm Recht zu geben. Nicht umsonst hatte er zeitweilig Eminem mit auf der Tournee. Dessen Erfolg fußt auf dem gleichen Grundmodell: Da bin auf der einen Seite ich und auf der anderen ist die böse, böse Welt und die beschimpfe ich einfach und dann ist es wieder gut. Eminems Mutter ist zu diesem Thema einmal interviewt worden, nachdem auch sie beschimpft wurde. Ihr Kommentar: "Der Junge meint es nicht so... Es ist nur, weil er damit Erfolg hat." Solche Art Interview hätte man sich bei Marilyn Manson als Zugabe und Hintergrund der Disc gewünscht, da er schon den Eindruck eines verständigen Menschen macht, der sich der Mittel bewusst ist, die er einsetzt.

Bleibt noch zu sagen: Die DVD ist ein Muss für Fans!
 
Peter Backof
 

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