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  Interview ::: So Fucking What
Review

Herzblut, Hass und ein bisschen Wahnsinn

Juni 2008

Gäbe es das Genre des Saloon-Rock, wären So Fucking What hier wohl die Nummer eins. Mit "Dodge City Cowboys" liefern die Deutschen ein klasse Album in der Schnittmenge aus Motörhead und Western/Country ab. Im Interview mit discover.de berichtet Sänger Dirk über die chaotische Bandgeschichte und erzählt, warum So Fucking What aus der Not eine Tugend machen mussten...

So Fucking What - Herzblut, Hass und ein bisschen Wahnsinn Weitere Inhalte zu So Fucking What

Dodge City Cowboys (CD)
Bandpage
 
?: Hallo Dirk, erzähle doch mal bitte, was es mit So Fucking What (SFW) auf sich hat? Seit wann existiert die Band und wer steckt dahinter?
!: Das Schöne an Interviews ist, dass man über Fragen nachdenken muss, die man sich selbst nie stellen würde... Was hat es mit uns auf sich? Wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. Es ist schwer, mit ein paar Worten zu sagen, was sich über Jahre ereignet und zum jetzigen Stand der Dinge geführt hat. SFW war ursprünglich eine typische Punk'n'Roll-Band, ein wenig härter, so in Richtung Motörhead. Als dann zur ersten Amerika-Tour ein paar Jungs ausstiegen und der Rest ein Jahr später zwei Tage vor der Euro-Tour das Handtuch schmiss, mussten Matze und ich uns definitiv etwas einfallen lassen.
?: Nämlich?
!: Matze griff sich eine Westerngitarre mit rostigen Saiten und ich sang das erste Mal in meinem Leben... Und so gingen wir Wahnsinnigen auf Tour. Es gab keine andere Wahl! Das war vor gut zwei Jahren. Inzwischen hat Wiese die Drums übernommen, er hat früher über Jahre bei Biest getrommelt und Andy, unseren Munti-Mann, werdet Ihr auch auf den meisten Shows antreffen.
?: Okay, nun zur aktuellen Platte. Wie ist "Dodge City Cowboys" entstanden? Habt ihr eine typische Arbeitsweise, um einen Song zu kreieren?
!: An "Dodge City Cowboys" haben wir über ein Dreivierteljahr gearbeitet, praktisch zeitgleich komponiert und aufgenommen, immer wieder Sachen verworfen, neues Material dazu genommen und es mit neuen Musikern wachsen lassen. Die Aufnahmen liefen in bis zu fünf Studios parallel. So kamen immer neue Ideen dazu, aber viel funktionierte auch einfach nicht.
?: Puh, das klingt aber anstrengend...
!: Es war vor allem spannend. Natürlich bestand die Gefahr, den Überblick zu verlieren. Wir mussten daher ständig gegenhören, was die anderen gerade so in ihren Studios treiben. Hilfreich war, dass wir eine ziemlich exakte Vorstellung davon hatten, wie das Ergebnis klingen soll und dass alle Songs auch nur mit einer Gitarre funktionieren müssen. Aber versuch mal ein Bild mit fünf Leuten zu malen - dann weißt du, was ich meine....
?: Wie seid ihr mit "Dodge City Cowboys" zufrieden und wie schätzt du die Reaktionen darauf ein?
!: Das Album ist großartig! Im Ernst: Da fragst du echt den Falschen. Fände ich die Platte nicht super, säßen wir jetzt noch im Studio! Die Reaktionen sprechen aber auch eindeutig für das Album. Am liebsten höre ich Sachen wie "Ich mag eigentlich keinen Country, aber die Jungs...!" oder noch besser "Das ist doch gar kein Country, geil!". Ich hab auch noch kein schlechtes Review gelesen, vielleicht verheimlicht mir einer was!?
?: Nun ja, für mich klingt "Dodge City Cowboys" tatsächlich so, als hättet ihr verdammt viel Herzblut und Liebe zum Detail in das Album gesteckt...
!: Schön, dass es für dich so "klingt". Glaub mir: Da steckt eine verfluchte Menge Liebe drin. Und mindestens genauso viel Hass und Zeit und und und... Es lebt von den Geschichten, die es erzählt. Das Album ist einfach ein Stück von unserem Leben!
?: Wie erklärst du jemandem eure Musik, wenn er noch nie zuvor von euch gehört hat?
!: Ich bin in der glücklichen Position das nicht zu müssen. Ich gebe eigentlich keine Interviews. Wenn ich meine Ruhe haben wollte, würde ich wohl sagen "irgendwie wie Boss Hoss", ha ha.
?: Auf "Dodge City Cowboys" haben es nicht weniger als neun Gastmusiker geschafft...
!: Es waren sogar noch mehr, aber aus rechtlichen Gründen durften wir nicht alle nennen. Das ist ein echter Luxus und eine wahnsinnige Bereicherung, mit Musikern aus den verschiedensten Genre zusammen zu arbeiten. Ich meine, jeder bringt ein Stück von sich ein, alles baut aufeinander auf und wächst so zu etwas völlig Neuem zusammen. Ich entdecke selbst immer wieder kleine Details, die ich so vorher nicht gehört habe. Da spielt echt eine Menge zusammen. Das ist einfach faszinierend!
?: Wohl war. Wie kam es eigentlich zu den diversen Coverversionen (u.a. The Chuck Norris Experiment, Motörhead) inkl. Bloodhound Gang-Intermezzo?
!: Ja, das hört sich nach SFW an. Wir sind einfach frei in solchen Sachen und unterliegen keinen Zwängen irgendwelcher Stile oder Szene-Zugehörigkeiten. Du wirst mit der Zeit auf unserem Album ganz viele solcher verrückten Begegnungen finden. Es ist einfach möglich, Hardcore-Songs als Balladen zu spielen, Zitate von längst vergessen Rocksongs zu integrieren, eine bekannte Popmelodie einzufügen und dem Drummer zu sagen: "Der Song braucht mehr Drive, spiel' mal einen Shuffle dazu".

Ich war noch nie ein Fan von Coverbands, aber warum soll man nicht dem einen Tribut zollen und den anderen durch den Kakao ziehen, wenn es am Ende gut klingt? Seit Beethoven und Wagner wurde, glaube ich, kein neuer Ton entdeckt, oder?

?: Die CD entstand laut Booklet in/um Berlin und Dresden. Wer denkt bei Ostdeutschland schon an Country-Rock'n'Roll?
!: Vielleicht die Ostdeutschen. Vielleicht aber auch all die, die vor Ihren Städtenamen Rock City setzen. Wenn man viel durch die Welt zieht, bemerkt man eh schnell, wie unwichtig das sein kann. Und das Schönste ist doch immer wieder zu sehen, aus welchen verschlafenen Nestern die großen Helden kommen.
?: Welche musikalischen Einflüsse gehören zu SFW?
!: Wie gesagt, da ist so ziemlich alles dabei! Und hey: Bei uns wird auf Waschbrettern rumgeschabt und Holzklötze werden zusammengeschlagen. Was heißt da bitte schön musikalisch?
?: Deine Stimme klingt nach Whisky und Zigaretten. Klischee oder (Teil-)Wahrheit?
! (lacht): Die Frage könnten dir wohl am besten die Leutchen beantworten, mit denen wir nach den Shows die Nächte durchgemacht haben. "Drinking coffee and smoking big cigars"... Ich sag' mal so: Das eine bedingt oft das andere. Aber ein Tag hat 24 Stunden, da passieren noch ganz andere Sachen. Wahrscheinlich verbindet auch jeder etwas anderes mit meiner Stimme. Mädchen haben mich seltener nach Whiskey gefragt...! Ich wähle "Teil-Wahrheit", ha ha.
?: Könnt ihr von eurer Musik leben oder schlagt ihr euch mit "regulären" Jobs durch?
!: An Jobs habe ich wohl schon so ziemlich alles gemacht, auch eine ganze Menge kurioser Sachen - das kannst du gerne glauben. Zum Glück gehört das erstmal der Vergangenheit an, es läuft grad ziemlich gut für uns. Neben SFW investiere ich noch einiges an Zeit für andere R'n'R-Bands, The Chuck Norris Experiment oder die V8 Wankers zum Beispiel. Man hilft sich beim Produzieren, gibt Kontakte weiter, oder was auch immer. Rock'n'Roll verschlingt eine Menge Zeit, praktisch ein ganzes Leben!
?: Apropos Leben: Wie alt seid ihr?
!: Zwischen 25 und 45 ist so ziemlich alles möglich. Ich bin mir auch nicht wirklich sicher, das ändert sich ja jedes Jahr. Ich werde dieses Jahr 33.
?: Möchtest du noch etwas loswerden?
!: Ich danke dir fürs Interview. Keine Freunde, keine Grüße.

Joachim Brysch


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