copyright discover koeln, 2002 werbung
discover - musik & mehr
  CD-Reviews Interviews Stories News Touren Bücher und Comics Sound & Video Bandlinks, Labellinks, Surftipps Die aktuellen MP3- und Videocharts  
Finden
 

Mr. Undercover
Werbung ist wie Teflon

Lieblingstouren

anzeige
anzeige
 
  Interview ::: Skew Siskin
Review

It's only Rock'n'Roll

Juli 2008

Ein starkes neues Album, eine erfolgreiche Tour mit Motörhead und neuerdings eine eigene Plattenfirma. Derzeit läuft es rund bei den Berlinern Skew Siskin. Das war nicht immer so. Im Interview plaudern Sängerin Nina C. Alice und Gitarrist Jim Voxx über hilfreichen Zeitdruck im Studio, die Freundschaft zu Ian "Lemmy" Kilmister und die Tücken des Musikgeschäfts

Skew Siskin - It Weitere Inhalte zu Skew Siskin

Peace Breaker (CD)
Electric Chair Music (CD)
Bandpage
 
Hallo Nina, hallo Jim. "Peace Breaker" ist nun seit einigen Monaten auf dem Markt. Wie fällt eure bisherige Bilanz aus?
Jim: Wenn es weitergeht, wie bisher, wird "Peace Breaker" unser bisher bestes Album. Dabei hatten wir enormen Zeitdruck, da wir kurzfristig die Chance erhielten, Motörhead auf ihrer Frankreich-Tour im Mai/Juni 2007 zu supporten. Uns war klar: Ohne neue CD geht das nicht. Aber irgendwie hat alles gepasst: Nina war in Topform und hat die Stücke in Rekordzeit eingesungen und für den Bass haben wir auch nur ein paar Tage benötigt. Einen Tag vor der Tour kam die Platte aus dem Presswerk - ohne Deal, ohne alles.
?: Also habt ihr kurzer Hand euere eigene Plattenfirma Monongo gegründet...
Jim: Nina und ich sind da quasi so reingeschlittert. Aber wir sind sehr zufrieden damit, wie es nun ist. Während der Frankreich-Tour entwickelte sich Vieles weiter. Das französische "Rock Hard" kürte "Peace Breaker" zum Album des Monats, es folgten Anfragen von Vertrieben in Frankreich und in Deutschland meldete sich der renommierte Vertrieb Soulfood.
?: Habt ihr bei "Peace Breaker" irgendetwas anders gemacht als sonst?
Nina: Die Songs und Melodien standen soweit und dann kam auch schon direkt die Platte. Früher haben wir immer mal wieder Stücke umgeschmissen, dafür war dieses Mal gar keine Zeit. Dadurch klingt "Peace Breaker" viel kompakter und wie aus einem Guss, z.B. klingt meine Stimme bei allen Songs gleich. Bei "Album Of The Year" ist das nicht der Fall. Da hatten wir ungewollt zu viel Zeit (seinerzeit hatte die Band keinen Bassisten, keinen Drummer und diverse Vertragsprobleme - Anm.d.Verf.) und wir haben reichlich experimentiert.
?: Gab es neben dem Zeitfaktor andere Vorgaben?
Nina: Wir wollten dieses Mal nur Songs aufzunehmen, die wir auch live spielen können. Also keine Spielereien - und ich wollte auch keine Balladen.
Jim: Entscheidend war tatsächlich, dass wir keine Zeit zum Nachdenken hatten. Ich Studio habe ich mich daher quasi zu der Einsicht gezwungen: Das klingt geil so, nichts mehr anfassen! Nach Möglichkeit wollen wir in Zukunft immer so arbeiten.
Nina: Genau, unser Motto heißt "It's only Rock'n'Roll", also: Wenn der Song geil klingt, Pfoten weg!
?: Wo seht ihr "Peace Breaker" in der Skew-Siskin-Diskographie?
Jim: Floskeln wie "wir haben mit dem neuen Album einen weiteren Schritt nach vorne gemacht" wirst du von mir nicht hören. Ich mache keine Schritte, ich mache neue CDs. Ich versuche mit Nina Songs zu schreiben, die uns gefallen. Unsere Alben sind in verschiedenen menschlich-psychologischen Stadien entstanden. Mal bin ich mehr auf AC/DC, mal mehr auf Diesem oder Jenem. Jede CD klingt ein bisschen anders. Das hat mit dem jeweiligen Gefühl zum Zeitpunkt der Aufnahmen zu tun. Im Grunde versuchen wir jedoch immer dasselbe zu machen.
Nina: Richtig planen kann man so etwas ohnehin nicht. Konzeptalben wie damals von Queensryche sind eine Sache für sich. Für Skew Siskin wäre das nichts. Wir stehen für gute Songs, Spaß und voll auf die Fresse.
?: Habt ihr ein Problem mit dem Etikett "deutsche Motörhead"?
Nina: Ich denke Skew Siskin sind eine Art Hybrid aus Rock'n'Roll und Metal. Aber auch die Sounds der 70er, also vor allem Black Sabbath, Psychedelic und Punk, gehören zu unseren Einflüssen.
Jim: Das interessiert mich eigentlich nicht. Ich kann dir alle wichtigen Led Zeppelin-Riffs auf Robert Johnson-Platten vorspielen. Dass die mit der Tour davon gekommen sind, ist schon ein Wunder. Und? Wir haben unsere Einflüsse halt anders verarbeitet und manchmal zitieren wir auch absichtlich andere Künstler.
Nina: Die Kunst ist ja nicht nur zu klauen, sondern auch etwas Eigenes daraus zu machen bzw. es so zu präsentieren, dass die Leute die z.B. die 70er noch selbst erlebt haben, beim Hören denken: "Ich kriege genau diese Vibes".
?: Apropos Motörhead. Lemmy scheint euch ja heiß und innig zu lieben. Er hat auch zu "Peace Breaker" wieder ein paar Songs bzw. Texte beigesteuert...
Nina: Ja ja, ich habe ihm erlaubt mitzuschreiben (lacht).
Jim: Es hat sich herausgestellt, dass Nina und Lemmy - beide Sänger - gut miteinander texten können. Lemmy lässt sich manchmal von Ninas Ideen beeinflussen. Wenn die Zwei sich treffen, tauschen sie sich sofort aus.
Nina: Wir klauen immer voneinander, ha ha.
Jim: Lemmy kann sich gut auf Nina einstellen und das funktioniert irgendwie. Das ist im Laufe der Jahre entstanden und deswegen wird es immer wieder passieren, dass Lemmy und Nina textlich zusammenarbeiten.
?: Wie läuft das denn konkret ab?
Nina: Bei "Trouble Shooter" hatte ich z.B. Strophe und Chorus beisammen. Lemmy hatte noch nicht mal die Musik gehört. Ich habe ihm am Telefon den Beat vorgeklopft und ihn per Fax gebeten, die zweite Strophe zu schreiben. Das ging dann hin und her und irgendwann stand der Text. Mit Lemmy ist es ein bisschen, wie mit einem Zigarettenautomaten: Geld einwerfen, draufdrücken und am Ende habe ich die Kippe meiner Wahl (lacht).
?: Vor allem ist es supereasy und spaßig. Manchmal lachen wir uns halbtot über irgendwelche doofen Klischeesätze, die unseren Köpfen entspringen. Dabei erstaunt mich übrigens immer wieder, wie gut sich Lemmy in mich hineinversetzen kann. Er ist ja eigentlich keine Frau...
Jim: Die liegen eben auf der gleichen Wellenlänge. Manchmal kommt Lemmy mit etwas an und sagt: "Ich habe hier was. Für Motörhead habe ich schon etwas anderes, probier mal, ob du damit etwas anstellen kannst." Lemmy ist Musiker aus Passion und er hat riesig viele Ideen. Eine bestimmte Sache ist Motörhead, aber darüber hinaus gibt es noch ein ganz anderes Gebiet und das ist nicht Motörhead. Da hat er einfach ganz viel Spaß mit anderen Leuten. Und Nina ist eine, mit der er gerne etwas macht.
?: Böse Zungen könnten behaupten, dass ihr nur deshalb mit Motörhead tourt, weil Lemmy euch mag...
Nina: Von wegen. Lemmy hat mir klipp und klar gesagt: "Wir könnten Freunde sein, aber wenn eure Band nicht gut wäre, dann wärt ihr auch nicht auf der Tour." Das sind für ihn zwei verschiedene Sachen und das ist auch schön zu wissen. Denn es gab ja gerade Anfangs Behauptungen, dass Lemmy in mich verknallt sei.
Jim: Zu mir meinte er (im scharfen Tonfall): "Ich sage dir das ein für allemal: Wenn ihr nicht mein Publikum bedient, steht ihr nicht auf meiner Bühne!" Da könnten wir 100 Mal Freunde sein und ich solle mir bloß nicht einbilden aus Freundschaft hier zu sein. Das war deutlich!
?: Gab es anfangs Berührungsängste?
Nina: Ich hatte natürlich erst mal ein bisschen Angst. Es gab ja die wildesten Gerüchte so von wegen Lemmy trinkt total viel Whisky und hat immer ganz dickbusige Frauen dabei. Dummerweise hatte er bei unserem ersten Treffen prompt zwei so große Porno-Blondinen eingeharkt. Da habe ich mich erst gar nicht hingetraut...
Aber wenn man dann okay ist und die Person respektiert dann ist alles gut. Zudem: Texten und Singen ist eine sehr persönliche Geschichte. Das klappt nicht mit jedem, das kann man nicht erzwingen. Mit Lemmy ist das eine große Ausnahme. Für mich war es natürlich auch eine super Sache, als Lemmy mir mal gesagt hat, dass ich wie eine Mischung aus Janis Joplin und Bon Scott klinge. Dahin wollte ich auch, aber wollen und Können sind oft zwei paar Schuhe. Umso schöner, wenn man dann aus berufenem Munde Bestätigung erfährt.

?: Weitere Gäste auf "Peace Breaker" sind Wolf Hofmann (Ex-Accept-Gitarrist) und Ivan Kral...
Jim: Zu Wolf braucht man wohl nichts weiter zu sagen. Bei Ivan handelt es sich um den Original-Patti Smith-Gitarristen, zudem hat er fünf Jahre bei Iggy Pop gespielt. Für uns ist es eine Ehre, die Beiden auf der Platte zu haben.
Nina: Ivan ist ein ganz anderer Typ als z.B. Lemmy - feministisch veranlagt, der hat ein ganz anderes Publikum. Da war es natürlich interessant zu sehen, wie das beim Publikum ankommt. Unsere Fans lieben alle Songs, das Metal-Publikum dagegen findet einige Songs von "Peace Breaker" ganz toll, aber Ivan's "I Don't Care" oder "Can't Hear You" ist für die zu langsam. Die meinen dann immer, uns geht die Puste aus (lacht).
?: Lasst uns noch mal über euer neues Label Monongo sprechen...
Jim: Wir hätten das viel eher machen sollen! Die Toten Hosen waren schon vor 15 Jahren so schlau, eine eigene Plattenfirma zu gründen. Nina und ich hatten einfach keine Lust, uns das Gelaber von Plattenfirmen anzuhören. Hier und da und jenes - 1.000 Versprechen und dann kommt doch nix. Wir hatten mal ein Angebot von einem bekannten deutschen Thrash-Label. Die meinten : "Eure Texte sind zu naiv." Die Texte stammten von Lemmy... Soll ich noch was dazu sagen? Eine andere Plattenfirma wollte Nina austauschen, die nächste wollte Nina aber nicht den Rest von Skew Siskin. So könnte ich stundenlang weitererzählen...BR> Außerdem steht es uns bis oben hin, dass Plattenfirmen unsere CDs verkaufen und nicht mit uns abrechnen. Das ist massig vorgekommen. Unsere Platten wurden in Russland oder Japan veröffentlicht und wir wussten von nichts...
Nina: Spätestens an so einem Punkt spielen dann auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle. Wir sind derzeit ein echter Familienbetrieb und kennen genügend Leute, die uns bei Bedarf Ratschläge geben können.
Jim: Es gibt zwei, drei Leute in der Branche die sagen, dass man mit Skew Siskin nicht arbeiten kann. Die Wahrheit ist: Skew Siskin lassen sich nicht weiter bescheißen! Wir sind um CDs in fünfstelliger Höhe betrogen worden... Das gleiche ist Lemmy übrigens auch passiert: Der hat mal einen Rechtsanwalt losgeschickt und ein Jahr später gab der ihm einem Scheck über 150.000 britische Pfund - für nicht angerechnete CD-Verkäufe. Das passiert 80 Prozent der Bands. Ich habe Geschichten selbst von etablierten Bands gehört - da stehen einem die Haare zu Berge
Nina: Es gibt 1.001 Gründe, das Geschäft selber in die Hand zu nehmen, aber auch 1.001 Gründe, es nicht selbst zu machen. Wir haben entdeckt, dass wir das Talent dazu haben.
?: Könnt ihr davon leben oder geht ihr zusätzlich einer "regulären" Arbeit nach?
Nina: Es kommt darauf an, was du unter leben verstehst. Warme Heizung, warmes Essen?
?: Genau.
Jim: Wenn das so weitergeht, können wir sehr bald davon leben. Aber auch nur, weil wir das Label selber machen. Wir wissen, was reinkommt und wir wissen, was wir uns leisten können. Du machst keine großen Sprünge aber du kommst der Sache doch wesentlich näher. Unser Vorteil ist, dass wir in Berlin ein eigenes Studio besitzen, das wir von Zeit zu Zeit vermieten. Zudem schreiben wir auch mal Songs für andere Künstler, z.B. Udo Lindenberg. Zwei Songs seiner neuen CD stammen von mir, zudem covert er auch eine Skew Sisikin-Nummer. Ich verrate aber nicht, welche.
?: Schade. Verratet ihr mir denn euer Alter?
Nina: Alter? Das ist doch völlig unwichtig! Mir hat man schon mit 30 gesagt, dass ich als Sängerin zu alt wäre (lacht).
Jim: Ich sage seit meinem 25. Lebensjahr, ich sei 63 - damit bin ich aus allem raus... Außerdem: Für Rock'n'Roll brauchst du drei Dinge: 'Ne Zigarette, Talent und du musst immer über's Alter lügen, ha ha...

Joachim Brysch


  Skew Siskin bei ebay

 

CD-Reviews

DVD-Reviews

News

Tourtips

zurück | nach oben

Anzeige: Tank leer? Dann jetzt Shell Gutschein gewinnen!

 

Homepage    CDs    Interviews    Stories    News    Touren    Gedrucktes    Sound & Video    Links    Charts   
Impressum    Mediadaten    Sitemap   

Copyright © discover, Bergisch Gladbach 2007