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  Interview ::: No Fun At All
Review

No Plan At All

Dezember 2008

Die schwedischen Punk-Rocker von No Fun At All (NFAA) verschwanden mal eben sieben Jahre von der Bildfläche, um sich dann wie selbstverständlich mit dem bärenstarken "Low Rider" zurückzumelden. Es gibt also einiges zu besprechen mit Sänger Ingemar Jannson. Der kommt gerade aus dem Krankenhaus, weil sich Mutter Jannson auf schwedischem Blitz-Eis einen Arm brach: Kein Grund für Trübsal, es gibt ja auch erfreuliche Dinge...

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Low Rider (CD)
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?: Hallo Ingemar. Lass uns chronologisch vorgehen: Warum habt ihr 2001 eigentlich hingeschmissen
!: Nach "State Of Flow" war die Luft einfach raus. Wir mochten uns nicht mehr, wir mochten die Musik nicht mehr und wir mochten es nicht mehr auf der Bühne zu stehen. Wir hatten schlicht keinen Spaß mehr an der Sache.
?: Und dann?
!: Drei Jahre ging wirklich gar nichts. Dann kam langsam wieder Lust auf und wir haben uns immer mal wieder getroffen und vereinzelte Shows gespielt. Seit vier Jahren gibt es also alle sechs Wochen Reunion-Shows, ha ha.
Im letzten Sommer gab es ein Projekt mit Leuten von The Hives und Millencolin, aber das passte irgendwie nicht. Also haben wir uns gesagt: "Lasst es uns wieder probieren und das Ganze locker nehmen." Am Ende ist es dann doch mehr Arbeit als du vorher meinst (lacht), gerade im Studio. Am Ende waren wir mit "Low Rider" aber sehr zufrieden.

?: Zu Recht, ein gelungenes Album, das unverwechselbar nach NFAA klingt. Aber wie geht es jetzt weiter!?
!: Vor dem Aus waren Live-Auftritte ein wichtiger Teil unseres Lebens. Nun haben wir alle einen "richtigen" Job und zum Teil Kinder. Das erschwert die Logistik erheblich. Wenn es so gut läuft, dass wir unsere Jobs wieder für die Musik aufgeben können, werden wir nicht zögern, ausgiebig zu touren. Doch das erscheint mir derzeit kaum vorstellbar. Daher touren wir halt nicht so lange am Stück - das funktioniert bislang ganz gut. Aber du merkst selbst: there is no plan at all...
?: Betrachtet ihr euch als halbprofessionelle Band?
!: Nicht ganz, eher viertelprofessionell, ha ha.
?: "Low Rider" dauert gerade mal 34 Minuten. Da habt ihr euch nicht wirklich übernommen...
!: Na ja, unsere anderen Album sind ja auch nicht länger. Aber ich weiß, was du meinst. Wir haben uns halt auf die unserer Meinung nach besten Songs konzentriert und das war auch gut so, denn am Ende hatten wir gar nicht mehr Zeit im Studio. Was nutzen dir fünf weitere Stücke, die nichts taugen? Wir sind nicht The Clash, ha ha.
?: Erstaunlich finde ich, dass sich deine Stimme kaum verändert hat. Sie ist nach wie vor die halbe Miete bei NFAA, sie wirkt wie ein Instrument...
!: Danke für die Blumen. Dabei habe ich meine Stimme noch nie trainiert. Der einzige Unterschied zu früher ist, dass ich mit dem Rauchen aufgehört habe. Früher habe ich 25 Shows geschafft und dabei geraucht wie blöde, bis zu 50 Zigaretten am Tag! Ich hoffe also, dass es nun noch besser geht, ha ha. Obwohl: Jetzt rauche ich Zigarren, aber nur eine die Woche, das ist dann wirklich ein Genuss. Ansonsten stimme ich dir zu: Die Musik von NFAA und meine Stimme harmonieren sehr gut miteinander.
?: Hast du noch weitere Laster?
!: Nun, ich trinke Alkohol. Und auf Tour haben wir immer gerne ausgiebig gefeiert. Nach der Show ist es okay. Manchmal macht die Stimme schlapp, da muss man schon aufpassen. Aber in Deutschland gibt es diesen wunderbaren (auf Deutsch) Fenchelhonig, der hilft wirklich gut, ha ha...
?: Mit In Flames (NFAA covern auf "Low Rider" deren "Episode 666" vom "Whoracle"-Album - Anm.d.Verf.) scheint ihr ja richtig gut befreundet zu sein...
!: Wir sind gar nicht so dicke, wir kennen uns bloß flüchtig. Ihr Sänger Anders ist ein Riesen NFAA-Fan, daher coverten sie seinerzeit unser "Strong & Smart". Wir dachten erst an einen Scherz, aber es war wahr und cool. Natürlich waren wir stolz darauf. Nun benötigten wir Bonus für die Single und nahmen die "Episode 666" auf. Am Ende gefiel uns die Version so sehr, dass wir sie auch auf das Album packten.
Übrigens nahmen wir das Stück an einem Tag auf - dafür ist das Ergebnis wirklich gut.

?: Teilen In Flames eure Beigeisterung für den Song?
!: Von den Musikern haben wir bislang keine direkte Rückmeldung bekommen. Aber wir kennen ihren Manager sehr gut und er sagte uns, dass In Flames sehr glücklich über unsere Version seien.
?: Wie kommt es eigentlich, dass sich so viele schwedische Bands in der harten Rock-Szene tummeln?
!: Das bin ich schon einige Mal gefragt worden, aber um ehrlich zu sein, habe ich darauf bis heute keine wirkliche Antwort gefunden. Vielleicht ist es ein bisschen der Björn Borg- oder Ingemar Stenmark-Effekt: Wenn jemand Erfolg vorlebt, motiviert das Andere, es auch zu versuchen. Das gilt im Sport genauso wie in der Musik, so nach dem Motto: "Wenn die das schaffen, warum nicht auch wir?" Ich mag ABBA überhaupt nicht, auch wenn es gerade verdammt in ist, sie zu mögen. Aber: Sie haben anderen schwedischen Bands den Weg geebnet. Ich glaube, dass auch Punk- und Metal-Bands davon profitiert haben, dass Musik aus Schweden durch ABBA einen sehr guten Ruf erhielt.

Zudem haben wir in Schweden eine gute Musikerziehung an den Schulen, jeder lernt hier ein Instrument. Hinzu kommt, dass wir gerade in den frühen Neunzigern wirklich tolle Plattenfirmen im Punk-Bereich hatten. Vielleicht sind das die Gründe bzw. die Kombination daraus.

?: Apropos Plattenfirma: Ihr habt nun kurzerhand eure eigene Namens "Beat 'Em Down Records" gegründet. Warum?
!: Unsere alte Firma Burning Heart Records hat uns nicht direkt ausgenutzt, aber wirklich glücklich waren wir dort auch nicht mehr. Wir sind mittlerweile in einem Alter, in dem wir mehr Kontrolle über die Band und vor allem den Durchblick behalten wollen. Heutzutage nennen sich die Firmen selbst ja 'Music-Labels'. Sie wollen nicht mehr nur deine Platte veröffentlichen, sondern dein Manager sein und Bands komplett steuern. Das brauchen und wollen wir nicht. Und da es wie gesagt eh keinen Masterplan gibt, sind wir glücklich, wenn wir 2.000 Alben verkaufen - genauso wie mit 10.000 Alben, ha ha. Hauptsache, wir können Platten herausbringen. Und: Es war ein langer Weg, unser eigens Label zu starten und die Kooperation mit "Deaf & Dumb" auf den weg zu bringen. Mit dieser Lösung sind wir nun sehr zufrieden.
?: Das Logo eurer Firma (eine geballte Faust - Anm.d.Verf.) erinnert übrigens stark an die New Yorker Hardcore-Band Pro-Pain...
!: Wirklich? Das muss ich mir mal anschauen. Ich muss dazu sagen, dass wir unser Label eigentlich "No Fun" nennen wollten, aber es gab tatsächlich schon ein Label dieses Namens.
?: Du hast eben erzählt, dass du nie Gesangsunterricht hattest. Wie bist du eigentlich Sänger von No Fun At All geworden?
!: Nach "Vision" (erschien 1993 - Anm.d.Verf.) stieg Sänger Jimpa aus, um seine eigene Band zu gründen. Ich kannte Mikka (er meint Gitarrist Mikael Danielsson - Anm.d.Verf.), weil wir viel miteinander herumhingen und die gleiche Musik mochten. Er forderte mich auf, es am Mikrophon zu versuchen, aber ich wollte überhaupt nicht. Ich war damals 29, da brauchte ich doch nicht mehr in einer Punk-Band anzufangen, ha ha.

Na ja, Mikka hat mich letztlich weichgeklopft und dann ging alles ganz schnell: Innerhalb von sechs Monaten spielten wir Shows, erhielten einen Vertrag bei Burning Heart und spielten unser erstes Full Length-Album ("No Straight Angles" - Anm.d.Verf.) ein. Wir wussten gar nicht, wie uns geschah. Recht bald konnten wir von der Musik leben. Immer noch unglaublich...

?: Sag mal, hat dein Vorname eigentlich was mit dem schwedischen Ski-Star Ingemar Stenmark zu tun (einer der weltbesten Skisportler in den 1970er-/80er-Jahren und mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und Weltpokalsieger)?
!: Nein, da besteht kein Zusammenhang. Der Name ist hierzulande ja auch nicht so selten. Aber Stenmark war ein toller Athlet, ich kann also stolz darauf sein, meinen Namen mit ihm teilen zu dürfen.
?: Bist du tätowiert?
!: Ja, ich habe tatsächlich ein Tattoo auf dem rechten Unterarm. Es handelt sich um ein so genanntes Stoneage Horse. Das Original-Motiv befindet sich in Südengland, in den Green Hills. Es ist rund 4000 Jahre alt und hundert Meter lang.
?: Wie bist du denn darauf gekommen?
!: Ganz einfach: Es ist ein Tribut an meine absolute Lieblings-Band XTC aus England. Sie haben genau dieses Pferd als Logo verwendet. Es ist ein cooles Motiv, über das ich mich immer noch freuen kann.
?: Okay, verrätst du mir noch dein Alter?
!: Natürlich verrate ich das.
?: Oh, das ist gar nicht so selbstverständlich, erfahrungsgemäß ist das die heikelste Frage...
!: Alle Bandmitglieder sind zwischen Ende 30 und Mitte 40.
?: Und du?
!: Na ja, ich bin jünger als Greg Greffin (Sänger von Bad Religion, mit denen NFAA gerne verglichen werden - Anm.d.Verf.), ha ha... Ich bin aber auch schon alt, nämlich 44. Aber wie gesagt: Ich bin da total zufällig hineingeschlittert...

Joachim Brysch


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