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  Story ::: OffsideOpen
Review

1. International New Music Festival Gelderland, 17.-19.08.2007

August 2007

"Manchmal muss man das Rad zurückdrehen" sagte Burkhard Hennen, künstlerischer Leiter des Festivals. Zu diesem Mut beglückwünsche ich ihn und auch die Mehrheit der gut 3.000 Festivalbesucher aus nah und fern.

Es war eine wunderbare Atmosphäre auf einer Lichtung, umzäunt von großen mächtigen Laubbäumen, gekrönt durch ein paar mächtige Trauerweiden. Kommerz- und Kirmesbuden gab es keine. Lediglich die Sponsoren waren präsent und kulinarische Stände der INBEV mit feinster niederrheinischer Küche. Gerne würde ich darauf eingehen, aber dann würde der Artikel sich in ein Kochbuch verwandeln.

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Die Verantwortlichen zogen in ihr Konzept viele regionale Organisationen ein, mit über 200 ehrenamtlichen, meist jugendlichen Helfern, die einen reibungslosen Ablauf in allen Bereichen gewährleisteten. Da musste hinterher keine Stadtreinigung anrücken. Auf den Zeltplatz kamen nur Festivalbesucher und dadurch konnte man auch beide Nächte in Ruhe schlafen.

Musik gab's natürlich auch. Den Beginn machte Ronald Snijders Extended Funk Band [klick], die von Querflöte solo bis groovenden Funk alles gab. Der Spagat zwischen intellektueller Musik, Virtuosität und Fun(k) hatte manchmal etwas Kanten.

Der Rote Bereich [klick] folgte mit anspruchvollen Improvisationen. Immer gerne höre ich die amüsanten Ansagen von Frank Möbus.

Neu waren Mâäk's Spirit [klick] aus Belgien. Wohl zum ersten Mal auf einer großen Festivalbühne, dafür schon sehr ansprechend.

Zu später Stunde kam das World Saxophone Quartet mit "Political Blues" feat. Jamaaladeen Tacuma, Herve Sahib, ein junger E-Gitarrist und Calvin Weston an den Drums. Jetzt waren alle Besucher vor der Bühne und erlebten ein großartiges Feuerwerk an "great black music". Die Titel und Ansagen waren nicht nur Seitenhiebe gegen die Bush-Regierungskatastrophen, sondern auch ein Hilferuf der Afroamerikaner die größtenteils die Verlierer sind - außer Condoleezza. Viele Besucher gingen danach nach Hause. Da zeigte sich, dass das Hauptpublikum aus Jazzfans bestand.

Die letzte Band des Tages, Kékéle [klick], kam aus Kongo und bot hervorragende rhythmische Musik aus den Regionen in und um den Kongo. Aber Weltmusik, was die Jazzer leider immer noch nicht so richtig mögen. Ehrlich gesagt, hätte ich auch nach dem beeindruckenden Konzert des World Saxophon Quartets genug gehabt. Totzdem war Kékéle ein schöner und angnehmer Ausklang.

Der Samstag begann früh um 11 Uhr mit den Projekten, ebenso der Sonntag. In zwei Zelten, die weit genug auseinander waren, zeigten sich zum einen die Shibusa Shirazu Musiker unter dem Titel "Japan Now" und im anderen Zelt "Loft Exil VIII" mit dem Titel Berlin, Berlin unter der Leitung von Alexander von Schlippenbach. Die Projekte sind, wie früher in Moers, schon allein wegen der entspannten Atmosphäre, welche auch den Musikern gut tut - wie man hören konnte, DIE große Bereicherung für Musikliebhaber.

Einige der Besucher nutzen die Vormittage, um sich mit dem Fahrrad die Region Geldern, Straelen und das holländisch Acren, alles Partner des Festivals, zu erkunden.

Auf der Hauptbühne eröffnete Ernst Reijseger mit Systeme D [klick] den Samstag. Mola Sylla und Sergine C. M. Gueye aus Senegal waren seine genialen Mitstreiter. Trotz der Verschiedenheit der beiden Bandteile und afrikanischen Klängen und Gesängen war die Musik aus einem Guss und auf höchstem Niveau improvisierter Musik. Reijseger verließ zwischendurch aus dramaturgischen Gründen mit seinem Cello die Bühne und spazierte spielender Weise über das Festvialgelände, da ist man einfach mittendrin.

Aki Takase [klick] und Alexander von Schlippenbach [klick] folgten im Duo, was man nicht mehr kommentieren muss. Im letzten Teil ihres Konzertes gesellte sich DJ Illvibe [klick], alias Vincent von Schlippenbach dazu und untermalte mit feinsten Sounds die musikalische Weltreise des Duos. Mike Keneally, der zum Ende der Zappa Ära bei ihm einsteigen durfte, präsentierte sich leider etwas zu bieder und zu gefällig.

Furiopolis [klick] sprengte danach alle Fesseln. Nehmen die überhaupt nichts ernst - oder doch? Die Band mit Markus Türk, Achim Fink, Manfred Heinen, Dietmar Fuhr und Frank Köllges, er darf da nicht fehlen, verwursten alles, was ihnen in die Finger kommt. Ihre Wurzeln liegen in deutschem, altem Volksgut - weit weg von der unrühmlichen Faschozeit und weit weg vom Musikantenstadel. Natürlich basteln sie auch die Texte um. Aus "Die Gedanken Sind Frei" wurde angekündigt: "Wir hoffen, dass der nächste Titel das Festival nicht sprengt, er heißt - die Getränke sind frei". Doch das war grandiose Impro-Musik. Schade, dass andere Jazz-Festival-Veranstalter den Jazz NUR als ernste Sache ansehen. Da geht was verloren.

Danach zeigte sichn Big Zoom von Lucas Niggli [klick], die Band besetzt mit hervorragenden Musikern, von ihrer besten Seite und mit einer unheimlichen Dynamik, welche die Zuhörer von Anfang bis Ende fesselte.

Nicht verstecken musste sich die darauf folgende Band Speeq um den Bassisten Luc Ex [klick]. Im Gegensatz zum akustischen Auftritt von Big Zoom setzten sie auf elektrisch verstärkte Gitarre und Bass. Und Phil Minton in diesem Kontext ist sowieso das Sahnehäubchen.

Die letzte Band des Tages, Hazmat Modine [klick] aus New York, wilderte in allen möglichen Stilen herum. Da war Jazz, Blues, Klezmer, Balkan und vieles mehr herauszuhören. Den Jazzhörern war das wieder zu viel "worldmusic" und deshalb gingen dann einige nach Hause. Es war auch schon nach Mitternacht. Aber die Dagebliebenen hatten Party, fast alle waren am tanzen. Die Band machte einen großartigen Sound. Insbesondere durch die beiden Mundharmonika-Spieler Randy Weinstein und dem Leader Wade Schuhmann. Wer die Band noch nicht kennt, dem seien die Videos auf YouTube [klick] empfohlen.

Den Sonntag läutete das Trio BraamDeJoodeVatcher mit virtuosen Improvisationen ein, ohne, im positiven Sinne, Kanten und Ecken und Reibungen auszulassen.

Akikazu Nakamura [klick] spielte danach solo auf der Sakuhachi. Natürlicher Weise ist diese Musik meditativen Charakters. Hier konnte man, angeregt duch die Musik, das Ambiente des Festival noch mehr genießen. Es formte eine wohltuende Einheit.

Nun kamen die Negativ-Ankünder: "Die Enttäuschung" nannten sie sich, um hinterher gesagt zu bekommen: das war aber eher eine begeisternde Entdeckung - was ihnen auch excellent gelang. Zu dieser Band stieß im zweiten Teil Alexander von Schlippenbach. Jetzt hieß die Band "Monks Casino" [klick], sie wurde ihrem Namen gerecht und war ein Highlight des Festivals!

David Murray & The Black Saint Quartet war die vorletzte Band. Obwohl nun, nicht nur von der Musik - man musste ja nicht alles hören wie ich -, schon etwas müde und überladen, ein weiterer Genuss von Murrays Saxophonspiel und Kompositionen. Auch die Auswahl seiner Mitspieler sind immer wieder von höchster Güte. Burkhard Hennen würdigte seine Leistung (und Treue) mit dem Titel: "special artist director" des OffsideOpen - auf Lebenszeit.

Der Alltag rief nun und deshalb musste ich die gigantische Show des Shibuza Shirazu Orchestras leider auslassen.

Jazz hin, Jazz her - Burkhard Hennen's Bekenntnis zur Region Niederrhein ist unverhohlen. Deshalb lud er auch zu "Essen kommen" (Zitat Hans Dieter Hüsch) unter anderem das Trommlercorps Walbeck (mit Flöten und Lyras) und die niederrheinische Legende Helmut Schopmans ein - und das war gut so.

Bei allem Verständnis von Seitenhieben zu Moers von Publikum, Musikern und in gemäßigter Form von Organisatoren kann man nur sagen: es ist nicht nötig, das Publikum wird diese Form von Präsentation langfristig honorieren.

Der Termin für 2008 ist gesichert - vielleicht sieht man sich ja vom 22.-24. August 2008 in Geldern, denn auch da wird es keine Budengassen geben sondern nur: Musik, Musik, Musik.

Uli Armbruster


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