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  Elf Entwürfe für meinen Grabspruch ::: Bob Dylan / Wolf Biermann
Review

Elf Entwürfe für meinen Grabspruch - Eleven Outlined Epitaphs
Elf Entwürfe für meinen Grabspruch
Eleven Outlined Epitaphs
Bob Dylan / Wolf Biermann
Kiepenheuer & Witsch
 
Poem
ISBN 3-462-03306-9, 160 Seiten, zweisprachig, gebunden

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Wolf Biermann – der Drahtharfenspieler – und Bob Dylan – Kandidat für den Literaturnobelpreis – beide sind längst Gegenstand vieler Semesterarbeiten an Universitäten – und sattsam bekannt. Oder auch nicht, denn wer kennt die Werke beider schon so richtig? Beide sind Popstars. So einfach ist das. Und dass Wolf Biermann ein frühes Gedicht von Bob Dylan übersetzt, ist keine literarische Sensation, auch wenn Biermanns aktueller Verlag das verkündet. Es ist auch nicht die erste Übersetzung der "Eleven Outlined Epitaphs" ins Deutsche, aber: eine höchst unkonventionelle. Und natürlich wird sie nur verrissen, wie sollte es anders sein? Das macht dem deutschen Feuilleton von Hamburg bis München doch Spaß, den arroganten Biermann mal wieder zu ärgern. Biermann spielt da sehr medienwirksam mit. Kritische Anmutungen des Spiegels z.B. düpiert er mühelos, er fertigt die "Presse-Kanaillen" (Originalwort Biermann, Spiegel 42/03) regelrecht ab, weil er seine unorthodoxe Vorgehensweise beim Übersetzen sehr gut rechtfertigen kann, denn er hat das Buch ja geschrieben. Seine Interviewpartner – und wohl auch der oder die eine oder andere Rezensentin in einem anderen Blatt – haben die Vorbereitungszeit womöglich damit verbracht, sich an der eigenen Kritiklaune zu ergötzen und diese zu steigern, bis sie sich selbst gefiel, – anstatt das Buch zu lesen. Kritik ist kein Selbstzweck. Querlesen reicht manchmal einfach nicht. Bei einem Gedicht in jedem Fall nicht. Gruß nach Hamburg.

Zu den Fakten: Länge des originalen Dylan-Texts: 30 Seiten. Länge des Biermann-Texts: 54 weitaus dichter beschriebene Seiten. Dieser Unterschied lässt sich nicht allein damit erklären, dass das Deutsche mehr Platz verbraucht als das Englische. Biermann hat das Gedicht nicht nur übersetzt, sondern gleichzeitig auch interpretiert. Gedanken werden weitergesponnen, für deutsche Leser – im Biermannschen Sinne – noch mal genau erklärt. Vielleicht hat er es sich ja auch selbst erklärt, denn an manchen Stellen entfernt Biermann sich völlig vom Original und macht wirklich etwas ganz Eigenes daraus. Biermann ist ja bekannt als Lästermaul, das freilich den Gegenstand des Lästerns – früher war das die DDR – auch braucht, sonst gäbe es ja nichts zu lästern. Er verbrüdert sich in diesem Buch solidarisch mit dem Lästermaul Dylan, und was konnte dieser 1964, zur Zeit des ersten Erscheinens der Grabsprüche auf einem Plattencover, noch schön lästern...

Es ist der "klassische" Dylan, der hier spricht, der, den alle so richtig lieb haben, der Stürmer und Dränger, nur die Gitarre und er, der Dylan, der noch nicht beim Newport Folk Festival die elektrische Gitarre und den Rest der Band ausgepackt hat. Dylans Texte sind beileibe keine Grabsprüche, sie kokettieren nur im Titel mit dem Tod. Popliterarische Ambitionen. Biermann schüttelt dazu den gerührten alten Mann aus dem Ärmel, der ob der jugendlich bilderstürmerischen Nonchalance von Robert Allen Zimmermann – so hieß Dylan eigentlich mal – in Verzückung gerät. Ekstase breitet sich im ganzen Universum aus. Das Ganze ist aber – Gott sei Dank – wieder mal mehr als die Summe seiner Teile. Dazu ein Zitat aus dem Nachwort zum Buch, das aus lauter kleinen Essays von Biermann besteht – romantische Gefühlsfragmente, historische Abrisse, Übersetzungsproben – Biermann hat u.a. ja auch Shakespeares Sonette übersetzt:

"‘Eine Übersetzung ist wie eine Frau: Wenn se schön is, isse nich treu – und wenn se treu is, isse nich schön.‘ So reden allerdings Schnösel, die weder von Frauen was verstehen, noch von Dichtung."

Recht hat er! Es lebe die Freiheit, vor allem die dichterische! Das ist ein Grundrecht und verfassungskonform. Der Gehalt beider Versionen des Gedichts ist so kühn in der Bandbreite der Assoziationen, dass jeder Versuch einer Zusammenfassung sich erübrigt, eine Schilderung wäre schon ein neues Gedicht. Die Essenz bleibt ein Gefühl. Ich würde raten, das Buch selber zu lesen. Die Texte im Nachwort (57 Seiten) sind unterhaltsam und laufen unter anderem darauf hinaus, dass sich jeder "alte" Europäer einmal Gedanken darüber machen solle, wie viel er den "alten" Amerikanern eigentlich zu verdanken habe. Frechheit und Intelligenz im heutigen Sinn seien nun mal eine Erfindung der Amis. Dylan ist das Paradigma. Ein angesetztes Statement gegen oberflächlichen Antiamerikanismus, das leider dann doch etwas flach bleibt. Ansonsten meist romantische Kunstreligion. Dylan wird bis an die Grenze zu Biermanns Neid angebetet. Schlussstrich: Sowohl Dylans Text als auch Biermanns Variante sind das Lesen wert. Es ist ganz undramatisch: Biermann ist Dylan-Fan. Und wer ist das auch nicht – irgendwie?
 
Peter Backof

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