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  We will rock you! ::: Günther Fischer & Manfred Prescher
Review

We will rock you! - Lexikon berühmter Popsongs
We will rock you!
Lexikon berühmter Popsongs
Günther Fischer & Manfred Prescher
Eichborn
 
Lexikon
ISBN 3-8218-3991-0, 336 S., gebunden, EUR 19,90

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Gleich auf der ersten Seite stockt der Atem: Die Blässe in "A Whiter Shade Of Pale" stammt also von einem verblichenen Briefumschlag, in den der Texter des Songs, Keith Reid, 1967 die erste Strophe seines Gedichtchens steckte. Was bissen sich Anglisten an dem Text die Zähne aus. Jetzt ist es amtlich – "A Whiter Shade" ist entmystifiziert. Die Spannung der ersten Zeilen hält leider nur ein paar Seiten weit: In Kraftwerks "Autobahn" wird man weniger mit Song-Genese verwöhnt, als mit dem bloßen Destillat eines mediokren Lexikon-Artikels mit Band-Bio – Platz soundo in England, Platz soundso in den USA – wir schlugen es einst schon bei Frank Laufenberg nach.

Nach Eigenaussage der Autoren versammelt der Band die nach ihrer Meinung "stimmige Schnittmenge" des besten vom Pop der letzten grob 60 Jahre Popgeschichte. Eintrittskarte für jeden Song war eine prägnante Textzeile, die es bis ins kollektive Gedächtnis geschafft hat: "Words are very unnecessary", "They call it Nutbush", "But I shot a man in Reno, just to watch him die", "On a dark desert highway, cool wind in my hair" – Aha-Momente sind vorprogrammiert. Es muss scheinbar nicht immer die eigene Jugend sein, denn die catch-phrases aus 60 Jahren Musikkonsum sind - man merkt es erst, wenn sie gedruckt vor einem stehen - fast zeitlos. Zusammen bilden die Zeilen eine Art Begriffskanon des Pop. Sie könnten vielleicht das umschreiben, was diesen schwierigen Terminus definiert: Wild, bunt, blass, neu, jung, schuldig, oder schnell – kein anderes Genre hielte so viele Attribute aus. Die alphabetische Sortierung der Songs zwingt zu Zeitsprüngen und die Lektüre wird somit zu einem Wechselbad der Gefühle. Liebe, Politik, Versagen, Wetter, Süßigkeiten - ein Blitzgewitter kompositorischer Betätigungsfelder wie sie bunter – P!O!P! – nicht sein könnten.
Man mag sich nun streiten, ob "Fuck Tha Police" von NWA, Madonnas "Die Another Day" oder "Cleaning Out My Closet" von Eminem bereits zum pophistorischen Allgemeingut geworden sind, aber Schwamm drüber. Die Subjektivität, wir wissen schon.

Witzig, anekdotenhaft und erstaunlich faktensicher erzählen Fischer und Prescher 200 Geschichten von Glanz und Elend, Schönheit und Scheitern. Sicher, spannende Exegesen, wie sie Kapitelweise in den Büchern Greil Marcus’ zu finden sind, bleiben aus. Doch das Lexikon berühmter Popsongs ist keine Philosophiestunde. Allein, wo’s allzu biografisch wird, langweilt das Buch schnell. Doch die Spalte der Minuspunkte ist klein. Vielmehr ist den Autoren ganz unbewusst eine kleine Definition des Pop (oder ein Entwurf davon) gelungen. Kaum eine Rezensionssammlung, kaum ein Bandlexikon kommt dem Popbegriff auf so herrlich naive Art so nahe. Es ist das Durcheinander der Gedankenstränge, das diese Definition prägt – und das gibt es nicht bei Marcus und Diederichsen. Wer wissen will, wie sich Pop anfühlt, lese dieses Buch.
 
Oliver Schwesig

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