copyright discover koeln, 2002 werbung
discover - musik & mehr
  CD-Reviews Interviews Stories News Touren Bücher und Comics Sound & Video Bandlinks, Labellinks, Surftipps Die aktuellen MP3- und Videocharts  
Finden
 

Mr. Undercover
Werbung ist wie Teflon

Lieblingstouren

anzeige
anzeige
 
  Bob Dylans Like a Rolling Stone ::: Greil Marcus
Review

Bob Dylans Like a Rolling Stone - Die Biographie eines Songs
Bob Dylans Like a Rolling Stone
Die Biographie eines Songs
Greil Marcus
Kiepenheuer & Witsch
 

Aus dem Amerikanischen von Fritz Schneider
ISBN 3-462-03487-1, 200 Seiten, 9,90 Eur

> Buch-Preisvergleich

Weitere Inhalte zu Bob Dylan
Highway 61 Interactice (CD)
Time Out Of Mind (CD)
No Direction Home (DVD)
Elf Entwürfe für meinen Grabspruch (Buch)
Story
Bandpage
Letzte News ::: 08.03.2006

Greil Marcus hat ein ganzes Buch über einen einzigen Song geschrieben, über "Like A Rolling Stone" von Bob Dylan. Dafür ist gerade ein guter Zeitpunkt, denn nicht nur, dass der Song seinen vierzigsten Geburtstag feiert, er wurde außerdem voriges Jahr vom gleichnamigen Musikmagazin zum besten aller Zeiten gewählt. Und dass, obwohl er mit sechs Minuten und sechs Sekunden den üblichen Zeitrahmen einer Single so sehr sprengt, dass er in seiner ersten Pressung in der Mitte unterteilt und auf A- und B-Seite verteilt wurde. Aber weder der runde Geburtstag noch die Kanonbildung interessieren Greil Marcus in seinem Buch. Ihm geht es um viel mehr. "Like A Rolling Stone", meint er, "war ein Ereignis, das in einem Aufnahmestudio stattgefunden hatte und das dann in die Welt hinausgeschickt wurde, mit der Absicht, die Welt nicht ganz so zu hinterlassen, wie sie vorher gewesen war." Wer so fest an Macht und Auftrag der Popmusik glaubt, dem muss man zuhören.

Marcus umkreist den 15. Juni 1965, den Tag der Aufnahme, in großen Bahnen. Sie gehen von Dylans ersten Auftritten als Folksänger bis zu seinem Comeback Ende der Neunziger mit "Time Out Of Mind", von Robert Johnson und den Drifters über Joan Baez bis zu den Pet Shop Boys. Er seziert die Charts von 1965 und - weil "niemand die Musik im Radio als Teil einer separaten Wirklichkeit hörte" -, schreibt auch über ein Land, das erschüttert wurde von der Kubakrise, dem Beginn des Vietnamkriegs, dem Kampf um schwarze Emanzipation und dem Tod von John F. Kennedy oder von Malcolm X.

Greil Marcus begreift "Like A Rolling Stone" konsequent als Kunstwerk. Er versucht den schwierigen Entstehungsprozess nachzuvollziehen und porträtiert die beteiligten Musiker. Vor allem aber sucht er in jedem Detail des Textes und der Musik nach Bedeutung. Dabei entwickelt er manchmal einen fast irrationalen Eifer. Immer wieder kommt er zum Beispiel auf den einen Snare-Schlag zurück, der das Stück einleitet - "eine Art Ankündigung, dann eine stille Leere, gefolgt von einer ansteigenden Fanfare und schließlich dem Song an sich". Er gibt sich nicht zufrieden mit der Erklärung von Al Kooper, der damals Orgel spielte, das sei ein üblicher Beginn gewesen. Er kann zwar selbst dutzende Songs aufzählen, die gleich starten, aber dieser eine Schlag bleibt für ihn trotzdem ein einmaliges Zeichen. Gerade an diesen Stellen, wenn der Musikhistoriker und der Kulturtheoretiker in den Hintergrund treten und der Autor sich als fanatischer Popfan enttarnt, hat das Buch seine großartigsten und lesenswertesten Momente. Man wünscht sich, in dem Song all das hören zu können, was Marcus hört.

Es ist aber natürlich auch ein Buch über Bob Dylan, diese sperrigste aller Rocklegenden. Natürlich wird einiges Bekanntes erzählt, allerdings auch einige weniger geläufige Anekdoten. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass Dylans Konzerte auf seiner ersten elektrischen Tour durch England von organisierten Gruppen stalinistischer Folkfans systematisch gestört wurden? Hauptsächlich versucht Marcus aber, Dylan zu fassen zu bekommen, nicht so sehr als Songwriter, sondern eher als Ereignis. Als Künstler, der vor nichts mehr Angst hat, als dass seine Songs erstarren und zu gefälligen Hymnen zum Mitsingen werden, der immer wieder allen vor den Kopf stoßen muss, um sich zu befreien. Und der einen eigenen Kosmos rund um den Highway 61 erschafft, ein Amerika der Mythen, voller Legenden und Träume, bevölkert von Verbrechern, Spielern und Poeten, von Kolumbus, Captain Ahab oder Albert Einstein mit seiner Violine.

Worum aber geht es in "Like A Rolling Stone" wirklich? Ist es ein Song über ein Land, dass seine Unschuld verloren hat? Rechnet Dylan mit sich selbst, dem hochnäsigen Bohemien, ab? Oder geht es doch nur um den Absturz einer überheblichen Frau? Wer könnte sie gewesen sein? Und warum hat man das Gefühl, dass "Like A Rolling Stone" trotz der so düsteren Geschichte, die das Lied erzählt, ein Song über Befreiung ist? Klären lässt sich das alles nicht. Fest steht für Marcus nur eins: Obwohl es keine perfekte Version eines Songs geben kann, hat Dylan nie wieder "Like A Rolling Stone" so grandios gespielt wie an diesem 15. Juni 1965, vielleicht hat er nie irgendetwas gemacht, was dem nahe kommt - vielleicht gab es sogar nie einen Popsong, der diesen einen erreicht hat.
 
Arne David

  Bob Dylan bei ebay

 

CD-Reviews

DVD-Reviews

News

Tourtips

zurück | nach oben

Anzeige: Tank leer? Dann jetzt Shell Gutschein gewinnen!

 

Homepage    CDs    Interviews    Stories    News    Touren    Gedrucktes    Sound & Video    Links    Charts   
Impressum    Mediadaten    Sitemap   

Copyright © discover, Bergisch Gladbach 2007