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  Sehnsucht ::: Gregor Kierkowicz
Review

Sehnsucht -
Sehnsucht

Gregor Kierkowicz
Schwarzkopf & Schwarzkopf
 
Bildband
ISBN 3-89602-685-2, 29,90 Eur, 105 großformatige Seiten, 200 Abbildungen, Hardcover mit Schutzumschlag, 26x31 cm, Kunstdruckpapier

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Bewusstseinserweiterung und Drogen sind im Musikgeschäft ja immer wieder ein Thema und nicht gerade wenige Alben der modernen Rockgeschichte sind auch unter dem Einfluss dubioser Substanzen entstanden. Es gibt Künstler, die gehen eher defensiv damit um, andere wiederum tragen ihre Sucht offen zur Schau oder sprechen diese offensiv an. Oftmals treibt dies schon seltsame Blüten, gerade wenn man an die letzten Abstürze eines Pete Dohertys denkt und sich die damit verbundene Berichterstattung vor Augen führt. Nicht selten hat man den Eindruck, dass hier die Sucht verharmlost und zum Teil schon regelrecht glorifiziert wird. Was hat das alles mit "Sehnsucht" von Gregor Kierkowicz zu tun? Eine ganze Menge!

Der Name des Autors Gregor Kierkowicz dürfte den wenigsten etwas sagen, darum an dieser Stelle kurz ein paar Daten zu seiner Person. Das vorliegende Werk "Sehnsucht" ist gleichzeitig seine Diplomarbeit, die er in Form seines Buches präsentierte (Studium Grafik Design). Neben dem Fachhochschuldiplom mit Auszeichnung wurde er auch beim Nachwuchswettbewerb des Art Directors Club in der Kategorie Abschlussarbeiten geehrt. "Sehnsucht" muss bei den Vorschusslorbeeren ein ganz besonderes Werk sein und ja, dies ist es!

"Sehnsucht" befasst sich mit dem Alltag von acht Drogenabhängigen aus Dortmund. Der Autor hat diese bewegenden Schicksale mit Diktiergerät und Fotokamera begleitet. Jeder dieser acht Menschen hat seine ganz eigene Geschichte über den Einstieg zu den Drogen, dem damit verbundenen Leben und letztendlich der Sehnsucht hinter der Sucht. Ungeschönt und ungeschminkt bekommt der Leser einen tiefen Einblick in die Tristesse des Drogenmilieus und des Lebensumfelds der Drogenabhängigen.

So bewegend die Schicksale schon alleine durch die Textbeiträge sind, so hat das geschriebene Wort hier eher eine untergeordnete Rolle. Die Bildergewaltigkeit und die Porträts dieser Menschen hauen einen schier um. Die Bilder zeigen die Suchtkranken in ihren Wohnungen beim "Drücken", "Smacken" und "Basen" - schlicht bei ihrem täglichen Kampf mit der Droge. Aufwühlend und verstörend sind diese Porträts und reißen einen selbst ein Stück aus dem eigenen Alltag. Ich musste das Buch mehrmals zur Seite legen, so haben mich die Bilder getroffen, berührt und verstört. Selbst für abgebrühte Zeitgenossen dürften diese Fotografien starker Tobak sein. Gregor Kierkowicz hat zum Teil die entstandenen Bilder und Texte collagenartig miteinander verknüpft, wodurch sich der krasse und intensive Eindruck beim Leser und Betrachter noch verstärkt.

Anhand des bedrückenden Inhaltes tue ich mich schwer, jetzt etwas über die Aufmachung des Buches zu schreiben und irgendwie habe ich das Gefühl, das wäre hier auch Fehl am Platze, die puren Fakten kann man ja weiter oben entnehmen. Ich möchte stattdessen noch ein paar Sätze zu den Drogenkonsumräumen verlieren, denen auch ein Kapitel in "Sehnsucht" gewidmet ist. Diese Räume dienen neben gesundheits- und ordnungspolitischen Aspekten den Süchtigen auch als Anlaufstelle. Ebenso soll der öffentliche Rauschgiftkonsum im Straßenbild reduziert werden, die Dealerei, Hehlerei und Gewalt verringert werden und auch Gefahrenquellen, wie benutzte Spritzen, an öffentlichen Orten vorbeugen - auch über all' dies wird man anhand von Text- und Bildmaterial in "Sehnsucht" informiert.

Nein, "Sehnsucht" kommt nicht mir der moralischen Keule, auch gibt es hier nicht den erhobenen Zeigefinger. Es handelt sich hier schlicht um ein sehr feinfühliges Porträt, welches sensibel und bewegend den harten Alltag Drogenabhängiger dokumentiert. Vor Gefahren von harten Drogen wird hier ebenfalls gewarnt und anhand von erschütternden Bildern zeigt dieses Werk, dass hinter der Sucht auch immer ein Mensch zu finden ist, der nicht in Vergessenheit geraten darf! Wer dieses Buch gelesen und gesehen hat, der wird jegliche eingangs erwähnte Verharmlosung und Glorifizierung von Drogen mit anderen Augen betrachten. Unter Anleitung und sensibler Behandlung kann dieser Bildband sicher auch zu einem pädagogischen Einsatz kommen und auch einen Teil zur Aufklärung beitragen. Die Bilder werden sicher so schnell keinen mehr loslassen, lange nachwirken und zum Nachdenken anregen. Ich für meinen Teil habe selten einen so berührenden Bildband in den Händen gehalten...
 
Torsten Schlimbach

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